Bandenwerbung oder Denkmalschutz?
Vor ca. einem Jahr habe ich eine Bandenwerbung von Tintenmax.ch bei uns auf dem Balkon auf dem 3. Stock an der Verresiusstrasse in Biel montiert. Unser kleiner bescheidener Balkon schaut direkt Richtung Bahnhof Biel.
Das weisse Plastik mit der Aufschrift 'Tintenmax.ch Ihr Online Shop' schaut also Richtung Parking und Bahnhof. Grösse ca. 90×250cm.
Nach dem die Werbung ungefähr 2 Monate hängen blieb, rufte mich eines Tages meine Immobilienverwaltung an und stellt mich diesbezüglich zur Rede. Im Gespräch fand ich heraus, dass die Immobilienverwatlung auf Druck der Baupolizei hin mich dazu bewegen sollte die Werbung zu entfernen. Habe nun die Verwaltung um die Telefonnummer der verantwortlichen Person bei der Baupolizei gebeten und auch bekommen.
Das über 30-minütige Gespräch mit einer Beamtin der Baupolizei war erstaunlich locker und nett. Sie machte mir klar, dass die ganze Verresiusstrasse unter Denkmalschutz steht und das ich für meine Plakatwerbung obendrein noch irgend eine Werbe-Bewilligung bräuchte…
Meinerseits machte ich der Dame klar, dass ich bevor ich überhaupt mit der Bandenwerbung "raus ging", während eines Monats ein weisses Plakat am Balkongitter befestigte, um mich vor dem aggresiven Parkinglicht (und von den neugierigen Blicken der Passanten) zu schützen. Damals hat niemand reklamiert und jetzt nur weil Tintenmax.ch drauf steht sollte ich meinen "Lichtschutz" entfernen?
Während dem ich der Paragraphenreiterei der Baupolizei passiv zuhörte, schossen mir viele Gedanken durch den Kopf:
- Wer zahlt den hier die Miete?
- Warum ist überall grosse massive Werbung in allen unmöglichen Farben?
- Dürften nur die Grossen mit viel Budget?
- Ist die Bewilligung für Werbung eine Frage des Geldes?
- Haben die nichts besseres zu tun?
- Gehört das Balkongitter Süd rechtlich gesehen zur Wohnfassade oder zum Lebensraum?
Typisch groteske Situation eines überregulierten Verwaltungsapparates!
Aber ich versuchte meine Emmotionen zu kontrollieren, damit diese meine Kommunikation mit "dem Gegener" nicht negativ beeinflusse. Mit einem Mix aus Naivität und Freundlichkeit ist es mir nach ca. 30 Minuten gelungen das Gespräch mit der Baupolizei abzuschliessen, sie verweissten mich direkt zum Denkmalschutz, mit denen habe ich mich am selben Tag auch noch 30 minuten unterhalten müssen.
Am Ende hab ich denen gesagt, sie sollen mir einfach schriftlich mit einer Klage drohen, dann werde ich sicherlich die Werbung ohne weitere Diskussion abnehmen und einen neutraleren Licht- und Lärmschutz montieren.
Die Konsequenz
Sowohl Bauplizei als auch Denkmalschutz haben sich äusserst kooperativ und tolerant verhalten. Danke herzlich für Ihr Verständnis: MERCI! Die beiden Damen waren sehr einfühlsam und haben sich mühe gegeben sich in meine Situation hineinzuversetzten. Mein bestes Argument war wohl, dass ich Ihnen gesagt habe, dass wir nur positive Ziele verfolgen. Glückliche Kunden, die dank Tintenmax.ch bis 50% Ihrer Druckkosten einsparen (sorry das musste einfach sein…), Steuern zahlen und Arbeitsplätze schaffen. So eine kostenlose Werbemöglichkeit (Miete muss ich ja so oder so zahlen) sollte nicht ungenutz bleiben, vor allem an diesem Hotspot am Bahnhof Biel…
"Wir werden uns bei Ihnen Melden" Das waren die letzte Worte der Behörden vor ca. 10 Monaten
Risiko wird also doch noch belohnt… Probieren geht über Studieren!
Könnte es sein, dass in dieser banalen Plakatwerbung doch ein Hauch von Guerillia Marketing mit dabei ist?
LG,
Robert

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